WAS WAR, WAS IST, WAS WIRD

You are currently viewing WAS WAR, WAS IST, WAS WIRD

Kunstausstellung der Mühlengalerie Mühlenbeck 

Unter dem Titel

WAS WAR, WAS IST, WAS WIRD

zeigen Astrid Weichelt, Hille Winkler, Ute Ragutzki und Katrin Merle Malereien, Installationen, Zeichnungen und Collagen im ästhetischen Spannungsfeld von Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem. 

Der Titel verweist auf die unabdingbare Verbundenheit zwischen den drei Zeiten: Jede Zukunft setzt eine Gegenwart voraus und auch eine Vergangenheit ist ohne einen Jetzt-Zustand gar nicht verortbar. 

Astrid Weichelt

nutzt als bevorzugte Technik das archäologische Verfahren der Papierabformung. Das ausgewählte Objekt erhält dabei eine dünne „Haut“ aus feuchten Papierbögen, die ihm nach der Trocknung wieder abgezogen wird. Diese Haut zeigt die Präsenz des abgeformten Originals und gleichzeitig seine offensichtliche Abwesenheit in der Abformung, die nur leere Hülle ist und an die stattgefundene Berührung erinnert. 

Für die Ausstellung wird A.W. alte Werkzeuge, die zum Fundus der Mühle gehören, abformen und schwebend im Raum installieren – Memento mori für ein uraltes Handwerk. 

Eine zweite Installation wurde von historischen Ornamenten angeregt. Ihnen gilt das besondere Interesse der Künstlerin. Obwohl die Schmuckformen meist formalen Einfallsreichtum, Vielfalt und auch Schönheit offenbaren, werden diese Spuren der Vergangenheit oft übersehen. Die Orna- mente werden in der Installation gebündelt, multipliziert und neu formiert, um einen anderen Blick darauf zu ermöglichen. 

Astrid Weichelts Abformungen erinnern daran, dass Papier (noch) unser kulturelles Gedächtnis symbolisiert, denn vor dem Beginn des digitalen Zeitalters war Papier das wichtigste Speicherme- dium für schriftlich festgehaltene Informationen und Erinnerungen. 

Hille Winkler

ist fasziniert von den Möglichkeiten der Sprache der Malerei, mittels derAuffassun- gen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Bild verschmelzen können. Die gezeig- ten Werke gehören dabei zu zwei verschiedenen Werkreihen: In den Bildern aus der Reihe Kosmos transferiert sie Ausschnitte aus privaten Fotoalben entstammenden SW-Fotografien in Malerei und spielt dabei mit deren Auffassungen und Deutungen. 

In der Werkreihe 12 Päpstinnen beschäftigt sie sich mit erfundenen Motiven von Päpstinnen, die es in der Vergangenheit gar nicht gegeben hat und suggeriert eine Gegenwart und Zukunft, die es so wohl ebensowenig geben, aber durch die Bilder befragbar und somit gestaltbar wird. 

Ute Ragutzki

interessiert die subjektive visuelle Erinnerung von Landschaft. Aufgewachsen auf einer Nordseeinsel spielt Naturerleben eine vorrangige Rolle in ihrer malerischen Arbeit. Die Malerei aus der Horizont-Serie zeigt formale Stapel, in denen Linien ein Eigenleben entwickeln. Es geht um Licht, Farbflächen, Verläufe und das Dazwischen. Das Flüchtige wird eingefangen, wäss- rige immer wieder übermalte Flächen geraten so bis zur Unschärfe. Erinnerung wird unklar – in Frage gestellt. 

Besonders beeinflusst ist ihre Arbeit durch ihr Interesse für geografische Karten, welches für sich eine ganz eigene formale Ordnung darstellt. In ihren Collagen geht sie spielerisch mit dem Material um: Es wird gefaltet, gerissen, gekratzt, durchgezeichnet und erweitert. Die Karten werden ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. 

Katrin Merle

fragt sich angesichts der teilweise dramatischen Zustände unserer Zeit, was danach kommen wird. Wie könnte es auf der Erde aussehen, wenn die SpeziesMensch verschwunden ist? Wird friedliche Ruhe herrschen oder ist ewiger Friede nur eine Illusion? Sie begibt sich in eine Vision von Landschaften, die trotz aller Idylle befremden, von unbekannten Arten bewohnt werden und hier und da Fragmente einer vergangenen Zivilisation aus Beton und Stahl erkennen lassen.