Die Geschichte der Mönchmühle

Die Geschichte der Mönchmühle
 

Die Geschichte einer der ältesten Wassermühlen Brandenburgs erbaut von den Zisterziensermönchen des Klosters Lehnin.

Ausgangspunkt war ein Wirtschaftshof mit dem Namen Altenhof, eine sog. Grangia, von dem aus ein Teil des Klosterbesitzes im Barnim verwaltet wurde. Dieser Hof lag in der Feldmark Schönerlinde an der alten Heerstraße, der genaue Standort ist nicht mehr bekannt. Ein verlandeter stark verschilfter Pfuhl wurde als Ort genannt an dem der Hof versunken sein soll. Alte Leute aus vergangenen Tagen erzählen von einem im See untergegangenen Kloster, von dem aus ein unterirdischer Gang zur alten Mönchmühle geführt haben soll.

Erste urkundliche Erwähnung relevanter Ereignisse in dieser Gegend stammt aus dem Jahre 1224

Um das Jahr 1230 wurde von den Zisterzienser-Mönchen die Mönchmühle gegründet. Es entstand zunächst ein Staudamm von 100 m Länge, 20 m Breite, mit einer Pegeldifferenz von ca.4 m. Hierzu mußten bis 15.000 m³ Erde und Steine bewegt werden um die Geländestruktur den Erfordernissen zu gestalten. Eine außergewöhnliche Leistung. Mit diesem Damm und dem entstandenen Teich konnte die notwendige Wasserreserve für einen konstanten Mahlbetrieb gesichert werden.

Unmittelbar an den Deich schließen die Felssteinfundamente des Mühlengebäudes an. So daß die Staumauer gleichzeitig die Kellerwand darstellt. Diese Fundamente haben bis heute unverändert standgehalten, während das Mühlengebäude im Laufe der wechselvollen fast 800-jährigen Geschichte Veränderungen erfahren hat. Auf der Dammkrone wurde später die Straße angelegt, die vor dem Mühlengebäude vorbei zum Wirtschaftshof, nach Schönerlinde und nach Mühlenbeck führte.

Der Abfluß des Mühlenbecker See, das Tegeler Fließ, trieb die alte Mühle über ein oberschlächtiges Wasserrad bis ca.1925 an. Während Mühlentechnik und Wasserrad wohl über die Jahrhunderte immer wieder erneuert werden mußten, blieb die Grundidee und der Standort der Mühle so erhalten, wie ihn die Mönche geplant und ausgeführt hatten.

Die erste bekannte Urkunde die den Zisterzienserbrüdern zu Lehnin Besitzungen im Barnim bestätigt, stammt aus dem Jahre 1242. Faktisch bewirtschafteten die Mönche bereits vor dieser Zeit eine Reihe von Ländereien. Im Jahre 1455 wird festgestellt, das sich die „Monchmole“ mit Mühlenteich auf dem Besitz des Bürgers Brakow in der Feldmark Schildow befindet. 1459 entbrennt ein Grenzstreit zwischen Schildow, Schönerlinde und Mühlenbeck. Er endet mit einem Vergleich zwischen Schildow und Schönerlinde.

1473 verkauft das Kloster Lehnin die Mühle für 40 Schock Brandenburgische Münze an Andreas Bodecker unter Vorbehalt des Vorkaufsrechts, Abt Gallus bestätigt den „Contrakt“

1507 scheint die Mühle bereits wieder im Besitz des Klosters Lehnin zu sein.

1517 verkauft das Kloster die Mühle erneut an einen gewissen Albrecht Holzendorf zu einem Preis von 57 Schock Brandenburgische Münze. Durch die Reformation die unter dem Kurfürst Joachim II. ausgerufen wird, verlieren die Mönche endgültig den Einfluß auf die Mühle. Nur der Name Mönchmühle besteht bis heute durch alle Zeiten. Alle künftigen Besitzer nennen sich Mönchmüller.

Die Mühlengeschäfte gehen gut, zumal der damals praktizierte „Mahlzwang“ den Kundenkreis festlegt.

1591 hat die Mühle zwei Wassergänge, dem Müller gehören etliche Acker und drei Wiesen.

1624 während des Dreißigjährigen Krieges, zählt das Anwesen drei Bewohner.

Am 16.May 1659 soll ein neuer „Erbkaufcontract über Rechte und Verbindlichkeiten der Mönchmühle“ geschlossen worden sein. Der aber nicht mehr auffindbar ist.

Den Dreißigjährigen Krieg übersteht die Mühle, die 1664 der Verwaltung des Kurfürstlichen Amts Mühlenbeck unterstellt wird, offenbar unbeschadet.

Das gab es also schon einmal !23. July 1712, schreibt der Mönchmüller Johann Grüwel an seinen „Allerdurchlauchtigsten großmächtigen König ….Die durch den Herrn Oberforstmeister von Jurgas und Herrn Ambtmann Fabricius zu Mühlenbeck verrichtete Besichtigung hat es gezeiget, daß meine dort gelegene Mönchs Mühle so wohl was die Gebäude, als das gehende Werk … betrifft unumgänglich von Grund aus neu erbauet werden muß, weil alles verfault…“

Grüwel bittet darum, ihm Bauholz sowie den Erlaß von Pacht, Steuern und Kornabgaben.

1747 wird dem Erben des Johann Grüwel, Andreas Grüwel, das Recht zugesprochen, eine weitere Mühle am Mühlenbecker See zu errichten. Ihm werden die Weide- und Fischereirechte zugesprochen. Diese neue Mühle wird 1755 an den Sattler und Lederfabrikanten Peter Friedrich Damm verkauft. (heute Dammsmühle)

1801 erwähnt das „Ortslexikon“ die Existenz einer Wassermühle und einer Windmühle unweit von Mühlenbeck, zur Mönchmühle gehörig.

Am 4. Februar 1819, bricht auf der Mönchmühle ein Feuer aus und zerstört das Wohnhaus und einen großen Teil der Wirtschaftsanlagen, darunter ein zweigängiges bedeutendes Mahlwerk. Ein Jahr später ist die Mühle unter dem Mühlenmeister Elendt wieder aufgebaut jedoch stark verschuldet.

1856 ist ein gewisser Wienicke der Besitzer der Mühle, er bewohnt die Mönchmühle mit seiner achtköpfigen Familie.

1860 erwähnt das „Ortslexikon“ für die Mühle zwei Wohnhäuser und neun Wirtschaftsgebäude.

1875 erwirbt der Stadtälteste Theodor Sahlfeld Soldin, das 300 Morgen große Mühlengrundstück, das von seiner Erbengemeinschaft um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert parzelliert und verkauft wird. Die idyllische Lage und die gute Verkehrsverbindung über die „Heidekrautbahn“ haben viele Berliner angezogen aus einigen der Wochenendurlaubern werden feste Siedler.

Die Mühle mit Gasthof im Schatten von mehrhundertjährigen Linden und Platanen wurde zum beliebten Ausflugsziel der Großstädter, die zu Fuß, mit Kremsern oder auch später mit Automobilen den alten Postkutschenweg oder auch per Heidekrautbahn hierher kamen. Auch für die neuen Siedler, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunahm wurde die alte Mönchmühle zum Mittelpunkt für kulturelle Veranstaltungen im Vereinsleben.

1900 geht die Mönchmühle in den Verwaltungsbereich des Amtes Oranienburg über und wird erst 1930 wieder in Mühlenbeck eingemeindet.

Seit 1922 ist Martin Schrödter Besitzer der Mühle. Um diese Zeit muß auch der Umbau des Hautantriebes, vom Wasserrad zur Wasserturbine erfolgt sein.

1945 wird die Mühle Volkseigentum . Die Bewirtschaftung wird vom Kreis Oranienburg übernommen, dann dem VEB Getreidewirtschaft Potsdam unterstellt. Das Wirtshaus zunächst noch in privater Hand des Wirtes Erich Ronneberger, wird später von der HO (Handels-Organisation) übernommen.

Die alte Mühle, wird wegen Unrentabilität 1973/1974 stillgelegt. Nach über 700-jährigem Betrieb, stehen seit dem die Räder still. Nach und nach wurde es still um die alte Mühle. Witterungsbedingter Verfall und Vandalismus haben das ehrwürdige Anwesen geschändet, das über hunderte von Jahren durch viele Generationen fleißiger Menschen erbaut und unter schwierigeren Bedingungen, als wir sie heute kennen, erhalten haben.

Nach der Wende wurde diese Immobilie wieder interessant und es zeichnete sich nach dem Verkauf durch die TLG an eine Investorin ein gutes Konzept ab. Leider konnte es nicht verwirklicht werden, wie auch ein zunächst vielversprechender Anlauf von den Mühlenpflegern aus Berlin, die hier einen Mühlenstützpunkt für das nördliche Brandenburg errichten wollten.

Fest steht nur eines, die alte Mönchmühle mit ihrer wechselvollen Geschichte war Kondensationskeim und Kommunikationszentrum der umliegenden Gemeinden Mühlenbeck, Schildow und Schönerlinde. Zahlreiche Zeugnisse gibt es darüber. Hieraus muß eine Verpflichtung und eine Verantwortung für dieses denkmalgeschützte Relikt erwachsen!

Die alte Mühle darf nicht untergehen!

Am 27. Februar 2003 ist eine Bürgerinitiative gegründet worden, die sich dieses Motto zum Ziel gemacht hat. Es hat seit her viele positive Impulse gegeben, die uns dazu ermuntert haben den Förderverein Historische Mönchmühle e.V. zu gründen. Es ist uns bewusst, dass wir einen weiten und steinigen Weg zu gehen haben, vom Erwerb der Mühle bis zum Erreichen unseres Ziels. Alles was wir tun ist aber besser als der weitere Verfall. Erkenntnis Wir haben der Mühle in der jüngeren Vergangenheit permanent die Zuwendungen entzogen, die ihr aus ihrer fast 800-jährigen Geschichte zustanden, nun müssen wir nachholen und die Lehren für die Zukunft daraus ziehen, ehe alles zu spät ist.

Zusammengestellt von Reinhard Wittig

Quellenangabe: Geschichten(n) rund ums Mühlrad, von Sigrid Moser sowie eigenen Recherchen aus dem Berliner Stadtmuseum und Archiven des Landes Brandenburg.